Oktober 2017

Angelikawurz – Angelica archangelica

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Angelikawurz bevorzugt feuchte und nährstoffreiche Standorte. Bei uns in der Schweiz trifft man sie eher selten an. Die Staude kann bis zu drei Meter hoch werden, strotzt vor Kraft und strahlt eine gewisse Überlegenheit und Faszination aus. Um das Gewicht der einzelnen Dolden tragen zu können, verankert ein kräftiger Stängel die Angelikawurz im Boden. Laut älteren Schriften soll ein Engel die Pflanze den Menschen als Arzneimittel empfohlen haben. Angelica kommt daher von „Angelus“, was Engel bedeutet, und weist auf diese Sage hin. Der charakteristische Geschmack der getrockneten Wurzel regt die Verdauungsorgane an und verbessert die Aufnahme von Mineralien. Nimmt man vor dem Essen bittere Stoffe zu sich, findet eine leichtere Verdauung statt. Schwere und fettige Mahlzeiten werden dadurch viel angenehmer und besser verarbeitet. Die Einnahme der getrockneten Wurzel als Tee, Tinktur oder auch als spagyrische Essenz stärkt die Verdauung und unterstützt die Arbeit im Magen- und Darmbereich.

Anwendung

Akut

Bei Appetitlosigkeit und Magenproblemen, bei Völlegefühl und Blähungen und als Sofortmassnahme bei Magenbrennen und Magenverstimmungen. Äusserlich bei Husten und Schnupfen.

Kur

Zur Unterstützung bei Darmentzündung, bei erhöhten Cholesterinwerten und als Aufbaumittel bei Magen- und Darmproblemen.

Tee

Für eine Teezubereitung wird die Wurzel verwendet. 2 Teelöffel der fein zerschnittenen Wurzel mit kaltem Wasser ansetzen und aufkochen oder mit heissem Wasser übergiessen. Nach 10 Minuten durch ein Teesieb geben und schluckweise trinken. Den Tee jeweils 30 Minuten vor den Mahlzeiten trinken. Für Kinder und Erwachsene anwendbar.

Tinktur

Täglich 30 Tropfen der Urtinktur können mit Wasser verdünnt und eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Die spagyrische Urtinktur kann direkt unter die Zunge gesprüht werden. Beide Tinkturen eignen sich für Kinder und Erwachsene.

Wirkung

Angelikawurz wirkt innerlich angewendet krampflösend (spasmolytisch), anregend auf die Produktion des Gallensafts (cholagog), harntreibend (diuretisch) und allgemein anregend auf die Magensaftsekretion. Das ätherische Öl kann als schleimlösender Wirkstoff in Bronchialcremen eingesetzt werden. Wirkstoffgruppe: Bitterstoffe (Amara Aromatica)

Hinweise

Tee und Tinktur können akut sowie chronisch angewendet werden. Längere Aufenthalte an der Sonne sollten nach der Einnahme dieser Heilpflanze vermieden werden. Bei einer Anwendung von mehr als vier Wochen sollten Fachpersonen (Arzt, Drogist oder Apotheker) informiert werden.

Bärlauch – Allium ursinum

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Die Gattung der Lauch- und Zwiebelgewächse (Liliaceae/Alliaceae) umfasst eine Vielzahl von Pflanzen. Eine davon ist der Bärlauch. Als mehrjährige Pflanze bewohnt er Laubwälder und blüht alle Jahre an den gleichen Stellen. Wissenschaftlich wird die Pflanze „Allium ursini“ genannt. Allium deutet auf die zu Beginn erwähnte Familienzugehörigkeit „Alliaceae“ hin. Mit „ursini“ treffen wir in der lateinischen Bezeichnung auf den Bären. Nach der langen Winterruhe kriechen die Bären aus ihrer Höhle und fressen nebst anderen Speisen häufig grössere Mengen Bärlauch. Während der Winterzeit sammeln sich im Körper Abbaustoffe an, die im Frühling möglichst schnell aus dem Körper transportiert werden müssen. Diese Powerausscheidung wird durch den Bärlauch möglich gemacht. Dieser Tier-Pflanze-Bezug hat zur Namensgebung beigetragen. Teezubereitungen eignen sich eher schlecht. Einerseits gehen beim Trocknen der Pflanze wichtige Inhaltsstoffe verloren und anderseits ist der Geruch der Blätter in Wasserauszügen eher störend. Frische Blätter (Vorsicht, Verwechslungsgefahr mit Maiglöckchen und Herbstzeitlose!) können ähnlich wie Schnittlauch, Zwiebeln oder Knoblauch als Gewürz verwendet werden.

Anwendung

Akut

Bei Magen- und Darmstörungen und als Bestandteil von Ausleitungstherapien. Die frischen Blätter können als Gewürz in der Küche gut verwendet werden. Mit Olivenöl lässt sich Bärlauch ideal konservieren. Püriert mit Pinienkernen entsteht ein vorzügliches Pesto.

Kur

Frühjahreskuren bei Herz- und Kreislaufproblemen, Arteriosklerose und hohem Blutdruck.

Tee

Kaum gebräuchlich.

Tinktur

Die Urtinktur kann innerlich angewendet werden. 2 mal 30 Tropfen täglich mit etwas Wasser verdünnen und einnehmen. Eine Kur sollte nicht länger als 3 Wochen dauern. Für Kinder eignet sich die Hälfte der Dosierung.

Wirkung

Volksmedizinisch: blutdrucksenkend (hypertonisch), blähungswidrig (karminativ) und blutreinigend. Wirkstoffgruppe: Ätherisches Öl

Hinweise

Übermässiger Gebrauch kann zu Magenreizungen führen. Bei wild gesammelten Blättern stets eine gründliche Geruchskontrolle vornehmen. So kann Verwechslungen vorgebeugt werden.

Knoblauch – Allium sativum

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Speisen, die mit Knoblauch zubereitet sind, schmecken und duften sehr gut. Wenn Knoblauch in unserem Körper verarbeitet wird, entwickelt sich über die Haut und die Atemorgane eine etwas stark riechende Geschmackswolke. Den Knoblauch mit Mass geniessen ist kein Problem. Hier gilt die Devise: wenig, dafür regelmässig. Denn wer regelmässig Knoblauch zu sich nimmt, wird die gesundheitsfördernden Eigenschaften dieser Pflanze sehr schnell zu spüren bekommen. Lateinisch benennen wir die Pflanze Allium sativum. Der Ursprung des Namens ist unsicher. Klar ist, dass sich der markante Duft der Pflanze mit der lateinischen Namensgebung in Verbindung bringen lässt. Weit zurück lassen sich auch die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten verfolgen. In der altindischen Medizin wurde es als ganzheitliches Tonikum bei einer ganzen Reihe von Krankheiten genannt, so auch bei Herz- und Kreislaufbeschwerden. Diese Indikation ist auch heute die wichtigste. In verschiedenen Studien hat die Wissenschaft heute belegen können, dass der Inhaltsstoff Allin besonders gut bei Arteriosklerose eingesetzt werden kann. Die Wirkstoffe reduzieren die Ablagerung von Abbauprodukten des Körpers in den Blutgefässen.

Anwendung

Akut

Bei Entzündungen der Atemwege, Verdauungsschwäche, Appetitlosigkeit und Rheumatismus im Hüftbereich. (Akut wird die spagyrische Urtinktur verwendet.)

Kur

Als Tonikum zur Verbesserung der Durchblutung durch leichtes Senken des Blutdrucks, der Blutfettwerte und des Blutzuckers. Als Prophylaxe (vorbeugend) bei Arteriosklerose.

Tee

Als Tee wird Knoblauch nicht angewendet. In Heilmittelpräparaten oder Mischungen nach eigener Formel wird das Pulver als Rohstoff verwendet. Gut eignen sich Kapseln, bei denen die schwefelhaltigen Inhaltsstoffe, die beim Abbau im Körper den typischen Knoblauchgeschmack verursachen, neutralisiert sind.

Tinktur

Die Tinktur wird innerlich in Form einer spagyrischen Urtinktur verwendet. Bei korrekter Anwendung, 3 mal 2 Sprüher unter die Zunge, findet keine Ausdünstung über die Haut oder Lunge statt. Für chronische und akute Anwendungen für Kinder und Erwachsene geeignet.

Wirkung

Knoblauch besitzt eine starke antibakterielle und antimykotische (pilzhemmende) Wirkung. Illustrierend dafür ist, dass die Anbauflächen des Knoblauchs von Würmern und Käfern gemieden werden. Antihypertonisch (blutdrucksenkend), Hemmung der Thrombozytenaggretation (Verbesserung der Durchblutung) und Senkung der Blutlipide. Wirkstoffgruppe: Ätherisches Öl

Hinweise

Als therapeutische Einnahme zur Prophylaxe von zu hohen Blutfettwerten und einer gesunden Durchblutung kann Knoblauch jederzeit empfohlen werden.

Küchenzwiebel – Allium cepa

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Der Ausdruck der lateinischen und deutschen Namensgebung beschreibt bei der Küchenzwiebel die Knolle sowie die Pflanzenart. Als Heilmittel verwendet, greift man stets auf die Zwiebel, in diesem Sinne auf das Speicherorgan, zurück. Beim Verarbeiten in der Küche entstehen in der Zwiebel schwefelhaltige Aminosäuren. Nach weiteren chemischen Veränderungen wird ein Stoff freigesetzt, der die Schleimhäute reizt und uns zum Weinen bringt. Etwas Schutz beim Schneiden der Zwiebel bieten feuchte Schneidbretter. Mit Wasser verdünnt sich der Reizstoff und das Brennen in Nase und Augen nimmt ab. Die Geschichte der Zwiebel geht bis ins Altertum zurück. Völker wie die Ägypter, Römer und Griechen entdeckten die vielfältigen Anwendungen in der Küchen- und Heilkunst und schrieben diese nieder. Beispielsweise wurde Zwiebelsaft bei schlechtem Haarwuchs und Schwerhörigkeit eingesetzt. Heutzutage wissen wir, dass die Zwiebel mit Erfolg bei Erkältungen, Hals-Nasen-Ohrenleiden und bei Appetitlosigkeit eingesetzt wird. Der menschliche Verdauungstrakt ist nicht in der Lage, gewisse Bestandteile der Zwiebel zu verdauen. Diese Stoffe werden durch unsere Darmflora verarbeitet, wodurch eine erhöhte Gasbildung entsteht. Reduziert werden die meisten in der Zwiebel vorliegenden Reizstoffe durch Kochen.

Anwendung

Akut

Zwiebel kann innerlich bei Erkältungen, Husten mit Verschleimung, Heiserkeit, Ohrenschmerzen und Stockschnupfen, äusserlich bei Insektenstichen, Gehörgangentzündungen, Furunkel, Wunden und zur Nachbehandlung von Blutergüssen angewendet werden.

Kur

Als Kur zur Verbesserung durch leichtes Senken des Blutdrucks, der Blutfettwerte und des Blutzuckers. Weiter zur Unterstützung bei Asthma und bei chronischen Magen- und Darmbeschwerden.

Tee

Als Tee wird die Küchenzwiebel nicht angewendet.

Tinktur

Die Tinktur kann innerlich und äusserlich angewendet werden. Bei Ohrenschmerzen können 30 Tropfen der Tinktur mit sehr wenig lauwarmem Wasser verdünnt und direkt ins Ohr getropft werden. Innerlich können 3 mal 20 Tropfen der Urtinktur oder 3 mal 2 Spritzer einer spagyrischen Tinktur eingenommen werden. Für Kinder und Erwachsene geeignet.

Wirkung

Die antioxidativen Schwefelverbindungen der Zwiebel wirken antibakteriell, leicht blutdruck- blutzucker- und blutfettsenkend und schleimlösend. Wirkstoffgruppe: Ätherisches Öl

Hinweise

Bei scharfer Nasensekretion und milden Tränen bevorzugt man Allium cepa (Küchenzwiebel) und bei milder Nasensekretion und scharfen Tränen eher Euphrasia officinalis (Augentrost). Selten treten bei Behandlungen mit Allium cepa leichte allergische Reaktionen auf. In der Küche sollten angeschnittene Zwiebeln nicht im Kühlschrank gelagert werden. Der Zwiebelgeruch überträgt sich auf andere Lebensmittel.

Frauenmantel – Alchemilla xanthochlora

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Beim Anblick der Blattzähne des Frauenmantels in der Natur können gute Beobachter kleine Wassertropfen erkennen. Diese Feuchtigkeitsansammlung kann vom Regen oder von der Pflanze selber stammen. Das Wasser hält sich in den trichterförmigen Blättern über längere Zeit. Diese Besonderheit führte dazu, dass diese Pflanze zu Namensgebungen wie „Daufänger“ oder „Wasserträger“ kam. Auch der lateinische Name Alchemillae hat Bezug zu den oben erwähnten Eigenschaften. Für die Alchemisten im 16. Jahrhundert waren Tautropfen auf Pflanzenblättern wichtige Wirkstoffe. Der deutsche Name bezieht sich auf die mantelförmige Blattstruktur und die Anwendungen der Pflanze bei Beschwerden, welche mehrheitlich bei Frauen auftreten. In der Schweiz fühlt sich der Frauenmantel schon seit langer Zeit zuhause. Im Hausgarten wie auch in Wiesen ist er ein Indikator für gut gedüngten Boden. Bei den Germanen war der Frauenmantel Frigga geweiht, der Göttin der Natur und der Fruchtbarkeit. Die heilende Wirkung des Frauenmantels war diesen Generationen schon bekannt. Um nach der Geburt eines Kindes wieder zu Kräften zu kommen, wurden Frauenmantelauszüge verabreicht.

Anwendung

Akut

Bei Durchfall, zu starken und krampfhaften Monatsblutungen und allgemein bei Menstruationsbeschwerden.

Kur

Zur Vor- und Nachbereitung bei Geburten.

Tee

Teezubereitungen eignen sich für akute sowie chronische Anwendungen. 4 Teelöffel der fein zerschnittenen und getrockneten Pflanze mit warmem Wasser übergiessen und nach 10 Minuten absieben. 4-mal täglich eine Tasse davon trinken. Für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene anwendbar.

Tinktur

Die Frischpflanzentinktur sowie auch die spagyrische Urtinktur kann akut und chronisch angewendet werden. 3-mal täglich 30 Tropfen mit etwas Wasser verdünnen und einnehmen.

Wirkung

Zubereitungen mit Frauenmantelkraut wirken hautverdichtend (adstringierend) und lokal leicht blutstillend (hämostyptisch). Wirkstoffgruppe: Gerbstoffe

Hinweise

Bei Durchfällen, die länger als zwei Tage andauern oder mit Blutbeimengungen oder Temperaturerhöhungen auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Rosskastanie – Aesculus hippocastanum

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Der Name „Rosskastanie“ soll diese Art von der echten Kastanie unterscheiden. Im Herbst geniessen wir die Scheinfrüchte (Maroni) der echten Kastanie. Rosskastanien sind aber für den Menschen ungeniessbar und wurden den Pferden früher als Zusatz ins Futter gemischt. Der lateinische Name verrät seine Herkunft nicht. Den Gattungsnamen „Aesculus“ erhielt die Art von römischen Schriftstellern. Die Ableitung ist unsicher. Der Baum kann bis zu 30 Meter hoch und 200 Jahre alt werden. Je älter der Baum, desto mehr Wirkstoffe enthalten Rinde und Samen. Die Kombination dieser Wirkstoffe wird seit dem Mittelalter bei verschiedenen Beschwerden eingesetzt. So bedienten sich bekannte Ärzte wie Hahnemann und Hufeland der Rosskastanie bei Venen- und Hämorrhoidalbeschwerden, Gicht und Rheuma. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen heute diese Eigenschaften, welche schon vor mehreren Hundert Jahren erkannt wurden. In vielen Venenpräparaten finden wir deshalb Auszüge der Rosskastaniensamen mit dem Wirkstoff Aescin, welcher äusserlich und innerlich angewendet werden kann. Chronische Unterfunktion der Venen sowie Wasseransammlungen in den Beinen sind die Hauptsymptome, um Rosskastanie zu empfehlen. Aescin wirkt venentonisierend und verlangsamt den Abbau der Venenwände. Nicht zu unterschätzen ist die Wirkung der Pflanze bei offenen Beinen und rheumatischen Beschwerden.

Anwendung

Akut

Bei Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, Wadenkrämpfen, Juckreiz und Beinschwellungen. Weiter bei Sportverletzungen und Hämorrhoiden.

Kur

Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen (chronische Venenbeschwerden).

Tee

Rosskastaniensamen werden nicht zur Teezubereitung, sondern ausschliesslich in Form einer Tinktur oder Fertigpräparaten verwendet.

Tinktur

Die Tinktur wird innerlich in Form einer hochwertigen spagyrischen oder einer Frischpflanzen-Urtinktur verwendet. Eine korrekte Anwendung besteht aus 3 mal 2 Sprüher unter die Zunge, oder 3 mal 20 – 30 Tropfen mit etwas Wasser verdünnt.

Wirkung

Die Inhaltsstoffe wirken hemmend auf das Austreten von Flüssigkeit aus Gefässen im Rahmen einer Entzündung (antiexudativ), gegen Ansammlungen von Flüssigkeit im Gewebe (antiödematös), stärkend auf die Venenwände und Venengefässe (venentonisierend), entzündungshemmend (antiphlogistisch) und gegen Oxidationen (antioxidativ). Wirkstoffgruppe: Saponin-Glykoside

Hinweise

Als Nebenwirkung können bei innerlicher Anwendung in seltenen Fällen Magenschleimhautreizungen auftreten. Mit einer spagyrischen Behandlung kann diese Nebenwirkung jedoch umgangen werden. Eine alte Tradition empfiehlt, eine ungerade Anzahl Rosskastanienfrüchte in der Hosentasche mit sich zu tragen. Dies soll vor rheumatischen Beschwerden schützen.